Break-even-ROAS berechnen: Formel, Rechner und Beispiel
Der Break-even-ROAS ist der Wert, ab dem eine Kampagne ihre eigenen Kosten trägt. Darunter kostet jeder Werbe-Euro mehr, als er an Deckungsbeitrag zurückbringt. Die Formel passt in eine Zeile, die Fehler stecken in den Zahlen, die man einsetzt.
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Die Formel
Der ROAS (Return on Ad Spend) teilt den Umsatz einer Kampagne durch ihre Werbekosten. Ein ROAS von 4 heißt: 1 € Werbung, 4 € Umsatz. Ob das reicht, sagt der ROAS allein nicht. Entscheidend ist, wie viel von diesen 4 € nach allen variablen Kosten übrig bleibt.
Eine Kampagne trägt sich genau dann, wenn ihre Werbekosten so hoch sind wie der Deckungsbeitrag, den sie bringt. Setzt man beides gleich, kürzt sich der Umsatz heraus:
Werbekosten = Umsatz × Deckungsbeitragsquote
Umsatz ÷ Werbekosten = 1 ÷ Deckungsbeitragsquote
Break-even-ROAS = 1 ÷ Deckungsbeitragsquote vor Werbung
Die Deckungsbeitragsquote vor Werbung ist der Anteil am Nettoumsatz, der nach Wareneinsatz, Versand, Zahlungsgebühren und Retouren übrig bleibt. Fixkosten wie Miete, Gehälter oder Software gehören nicht hinein: Sie entstehen auch ohne die nächste Bestellung.
Rechenbeispiel mit 100 € Nettoumsatz
- Wareneinsatz45 %
- Versand und Verpackung7 %
- Zahlungsgebühren1,9 %
- Retouren4 %
- Spielraum für Werbung und Gewinn42,1 %
| Position | Betrag | Anteil |
|---|---|---|
| Nettoumsatz | 100,00 € | 100 % |
| Wareneinsatz (Einkaufspreis netto) | −45,00 € | 45 % |
| Versand und Verpackung | −7,00 € | 7 % |
| Zahlungsgebühren | −1,90 € | 1,9 % |
| Retouren (Rückversand, Prüfung, Wertverlust) | −4,00 € | 4 % |
| Deckungsbeitrag vor Werbung | 42,10 € | 42,1 % |
Damit liegt der Break-even-ROAS bei 1 ÷ 0,421 = 2,38. Gibt die Kampagne 100 € aus und bringt 238 € Nettoumsatz, bleibt nach allen variablen Kosten und der Werbung genau null übrig. Jeder Euro Umsatz darüber ist Deckungsbeitrag für Fixkosten und Gewinn.
Fünf Fehler, die den Break-even verfälschen
1. Brutto und netto vermischt
Viele Shops übergeben den Bestellwert inklusive Mehrwertsteuer an Google Ads oder Meta. Dann ist auch der ROAS im Werbekonto brutto, die Kalkulation oben aber netto. Bei 19 % Mehrwertsteuer musst du den Break-even mit 1,19 multiplizieren: Aus 2,38 werden im Werbekonto 2,83. Wer das übersieht, hält Kampagnen zwischen 2,38 und 2,83 für profitabel, obwohl sie Geld verlieren.
2. Rohertrag statt Deckungsbeitrag
Wer nur den Wareneinsatz abzieht, rechnet mit dem Rohertrag. Im Beispiel wären das 55 % und ein Break-even-ROAS von 1,82. Versand, Zahlungsgebühren und Retouren kosten aber bei jeder Bestellung Geld, und die Werbung bringt diese Bestellungen mit.
3. Retouren nicht abgezogen
Das Werbekonto zählt die Bestellung im Moment des Kaufs. Kommt die Ware zurück, bleibt der Umsatz dort stehen. Bei Sortimenten mit hoher Retourenquote liegt der echte ROAS deshalb deutlich unter dem gemeldeten. Rechne entweder die Retourenkosten in die Formel ein oder vergleiche Kampagnen mit dem Umsatz nach Retouren aus dem Shop.
4. Plattform-ROAS statt Shop-ROAS
Google Ads und Meta rechnen sich gegenseitig dieselbe Bestellung zu, zählen modellierte Conversions und ordnen Umsatz dem Klickdatum zu. Die Summe aller Werbekonten ist deshalb fast immer größer als der Umsatz im Shop. Warum das so ist und wie du die Zahlen abgleichst, steht im Artikel Google Ads zeigt mehr Umsatz als Shopware.
5. Ein Wert für das ganze Sortiment
Ein Shop mit 30 % Marge auf Elektronik und 65 % auf Zubehör hat nicht einen Break-even, sondern mehrere. Läuft eine Kampagne vor allem auf margenschwache Produkte, reicht der Durchschnittswert nicht. Rechne für Kampagnen mit klarem Sortimentsschwerpunkt mit der Marge dieser Produkte.
Break-even, Ziel-ROAS und KUR
Der Break-even ist die Untergrenze, kein Ziel. Willst du nach der Werbung noch einen bestimmten Anteil am Umsatz verdienen, ziehst du diesen Anteil vorher ab:
Ziel-ROAS = 1 ÷ (Deckungsbeitragsquote − gewünschte Marge nach Werbung)
Beispiel: 1 ÷ (0,421 − 0,15) = 3,69
Im Handel ist auch die KUR verbreitet, die Kosten-Umsatz-Relation. Sie ist der Kehrwert des ROAS: Ein ROAS von 4 entspricht einer KUR von 25 %. Die höchste KUR, die sich noch trägt, ist genau die Deckungsbeitragsquote vor Werbung, im Beispiel 42,1 %.
| ROAS | KUR | Marge nach Werbung |
|---|---|---|
| 2,00 | 50,0 % | −7,9 % |
| 2,38 | 42,1 % | 0,0 % |
| 3,00 | 33,3 % | 8,8 % |
| 4,00 | 25,0 % | 17,1 % |
| 5,00 | 20,0 % | 22,1 % |
Wann ein ROAS unter Break-even trotzdem sinnvoll ist
Eine Kampagne, die vor allem Neukunden bringt, darf beim ersten Kauf unter dem Break-even liegen, wenn diese Kunden später wieder kaufen. Das lohnt sich nur, wenn du die Wiederkaufrate deiner Neukunden kennst und nicht auf sie hoffst. Ohne diese Zahl ist der Break-even beim ersten Kauf die sichere Grenze.
Rechne mit der Wiederkaufrate der letzten zwölf Monate, nicht mit der besten Kohorte. Und prüfe, ob die Neukunden der Kampagne wirklich neu sind, am sichersten über die E-Mail-Adresse im Shop.
Häufige Fragen
Was ist ein guter ROAS?
Einen allgemein guten ROAS gibt es nicht. Ein ROAS von 3 ist bei 50 % Deckungsbeitrag profitabel und bei 30 % ein Verlust. Gut ist ein ROAS, der über deinem Break-even liegt und den Ziel-ROAS für deine gewünschte Marge erreicht.
Rechne ich den ROAS mit Brutto- oder Nettoumsatz?
Mit dem Wert, den dein Werbekonto verwendet. Übermittelt dein Shop Bruttowerte, musst du auch den Break-even mit der Mehrwertsteuer hochrechnen, bei 19 % also mal 1,19. Einfacher ist es, Nettowerte an die Werbekonten zu übergeben.
Was ist der Unterschied zwischen ROAS und POAS?
POAS (Profit on Ad Spend) teilt den Deckungsbeitrag statt des Umsatzes durch die Werbekosten. Der Break-even liegt dann immer bei 1. Dafür muss der Shop den Deckungsbeitrag je Bestellung an das Werbekonto übergeben.
Gehören Fixkosten in den Break-even-ROAS?
Nein. Fixkosten entstehen unabhängig von der einzelnen Bestellung. Sie werden aus dem Deckungsbeitrag nach Werbung bezahlt, deshalb lohnt sich ein Ziel-ROAS über dem Break-even.